Weltumsegeln in fast drei Jahren

Er segelt seit er acht Jahre alt ist, war in der Schweizer Nationalmannschaft und 2002 sogar Schweizer Meister. Jetzt ist Thomas Meseck im Ruhestand und ist einmal um die Welt gesegelt. Und das kam so: „Schuld“ sei seine jüngste Tochter Tina (30), die die Idee hatte: „Eines abends saßen wir zusammen und Tina sagte: Eigentlich könnten wir doch um die Welt segeln“, erzählt ihr Vater.
BETTINA NEUMANN

Eine Rally als Bildungsreise. Da kam die OysterWorld-Rally zum 40. Geburtstag der Oyster-Werft gerade recht. Thomas Mesecks 18 Meter lange SATIKA – nach den Kürzeln seiner drei Töchter Sandra, Tina und Karin benannt und 2011 in England gebaut – wurde extra zu diesem Zweck angeschafft. „26 Boote nahmen an der Rally teil. Nicht ein einziges Boot blieb liegen, und nur ganz wenige haben abgebrochen“, erzählt der Schweizer, der sich mit seinen Mitstreitern noch regelmäßig trifft. Nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit segelte die SATIKA im Oktober 2012 vom Club de Mar aus los. Der erste Stopp: die Kanaren, der zweite nach der Atlantiküberquerung: das karibische Antigua, der Ausgangspunkt und das Ziel der Rally. Der Startschuss fiel am 6. Januar 2013. Zunächst ging es durch den Panamakanal bis zu den Galapagosinseln, weiter Richtung Marquesas, nach Tahiti, Bora Bora und Tonga, Kurs auf die Fidschiinseln und Vanuatu bis nach Australien, anschließend über Indonesien und Mauritius Richtung Südafrika, weiter nach Brasilien und über Grenada zurück nach Antigua. Zwischendurch segelte die SATIKA bei Regatten mit, zum Beispiel bei der Tahiti Pearl Regatta, wo sie den zweiten Platz belegte und bei der Hamilton Island Regatta sogar den ersten.



Genau zwei Jahre und acht Monate waren Schiff und Crew unterwegs. Die Crew war die Familie: Mesecks Frau und Tochter, sowie der Freund der Tochter. Für die Tochter, die eine Pause zwischen zwei Jobs einlegte, war das zudem eine Bildungsreise, denn sie ist im Tourismus tätig.



Paradiesische Meeresfauna. Ist die Welt denn noch in Ordnung? „Ja, es gibt noch Naturparadiese, aber sie werden weniger. Die Reise hat mich sensibilisiert, mehr Sorge für das Meer zu tragen“, berichtet der passionierte Segler. Und was war sein schönstes Erlebnis? Da gab es viele! Aber bestimmt zählt der 15 Meter lange Walhai dazu, der eines Morgens vor St. Helena mindestens eine halbe Stunde das Boot begleitete und dabei mit dem Dingi spielte. „Die Meeresfauna ist einfach überwältigend“, schwärmt er und erzählt von gar nicht scheuen Delfinen, von Schildkröten, die ihre Eier ablegten und von den vielen Quallen in Tonga, die den Schiffsfilter verstopften oder den über zwei Meter langen, selbst geangelten Blue Marlin, von dem monatelang gezehrt und zu dem sogar die Zöllner eingeladen wurden.



Seglerische Herausforderungen. Sein persönliches Highlight sei Französisch-Polynesien gewesen, doch auch die australische Inselgruppe Cocos Keeling sind noch ein echter Geheimtipp, da nur sehr schwer zu erreichen. Erhebend sei vor allem der Moment gewesen, nach 16 Tagen ununterbrochenem Segeln und 3.300 zurückgelegten Seemeilen von den Galapagosinseln aus die Marquesas zu erreichen, Faszinierend vor allem Nuku Hiva mit ihrem Urvolk. Und von der Durchfahrt des Panamakanals und seinen riesigen Schleusen schwärmt er. Gab es auch kritische Momente? „Eigentlich nicht, dreimal hatten wir extrem viel Wind, und hin und wieder segelte die Angst vor Piraten mit“. Deshalb wählte er auch die seglerisch schwierigere südliche Route über Mauritius, Reunion und ums Cap der guten Hoffnung.



Der Weg als Ziel. Jetzt pendelt Thomas Meseck zwischen der Schweiz und Mallorca hin und her. Es gibt so viel zu erzählen! Kein Wunder, dass er an einem Buch arbeitet, in dem er auch praktische Segeltipps gibt. Wenn er zwischendurch in der Schweiz ist, hält er Dia-Vorträge. Zum Schreiben sei der Club de Mar jedenfalls ein perfekter Ort, so der bekennende Mallorca-Fan: „Hier gab es einen äußerst warmherzigen Empfang, ich habe meine Ruhe und kann die Insel genießen.“