Auf den Spuren der Karthager

Eine neue Ausstellung dokumentiert spannende Ausgrabungen im Casal Balaguer
MARTIN MUTH

Eine neue Ausstellung in Palma de Mallorca zeigt auf eindrucksvolle Weise die Jahrtausende alte Siedlungsgeschichte der Balearen-Inseln, die im westlichen Mittelmeer schon vor der Eroberung durch die Römer eine wichtige Rolle spielten. Die sehr jungen Funde stammen von einer Mini-Insel.



Islote Galera wird dieses Eiland genannt, misst gerade 70x50 m und liegt keine halbe Seemeile westlich des Yachthafens von Ca’n Pastilla in der Bucht von Palma. Auch wenn dieses Inselchen durch den 0,7 bis 1 m niedrigeren Wasserstand vor 2000-3000 Jahren ein paar Quadratmeter größer gewesen sein mag, so ist die Menge an Funden im Vergleich zur Größe der Fläche dennoch überaus er-staunlich für den Archäologen und Leiter der Ausgrabungen, José Jorge Arguello Menéndez aus Asturien im Nordwesten der spanischen Halbinsel.



Was die Forscher der Erde und dem Fels entrissen, reicht bis zu 4.000 Jahre zurück. 300 Jahre vor Christus kamen die Karthager aus dem Nordwesten Afrikas, genauer dem heutigen Tunesien. Angeregt durch die reichhaltigen und zum Teil gut erhaltenen Funde aus unterschiedlichen Regionen des westlichen Mittelmeeres vermutet man Fahrtrouten über Sardinien, Sizilien, Südfrank-reich und Katalonien. Die Karthager, auch Punier oder Phönizier genannt, errichteten sogar einen kleinen, vier Meter hohen Tempel auf der Islote Galera. In den Punischen Kriegen der Römer gegen Karthago wurde er zerstört, als an deren Ende 123 vor Christus die Römer Mallorca einnahmen.



Die Archäologen fanden auch Grabstellen und erstaunlich gut konservierte Skelette, die eindeutige Rückschlüsse zu den verstorbenen Menschen zuließen.



Alles zusammen gibt es noch bis zum 15. Juni zu sehen, auf drei Etagen im Stadtpalast Can Balaguer in der Carrer de la Unió, 3 im Zentrum von Palma. Die Öffnungszeiten sind von dienstags bis samstag von 10-19 Uhr und sonntags von 10-15 Uhr. Der Eintritt ist frei.