Zarte Land- und Wasserwelten

Die dänische Künstlerin Anja Vesterlund Kleener entdeckte bei einer Weltumseglung ihr kreatives Talent
Bettina Neumann

In einem früheren Leben arbeitete die Dänin Anja Kleener für die Filmindustrie in Kopenhagen als Bühnenbildnerin. Doch als ihre Tochter geboren wurde, entschied sie sich mit ihrem Mann, alles zu verkaufen und gemeinsam mit dem sechs Monate altem Baby eine Weltumsegelung zu starten.  Diese begann 2001, dauerte dreieinhalb Jahre an und endete auf Mallorca, wo Anja heute noch lebt und arbeitet. Eine Reise wie ein „unglaublichen Märchen“, so ihre Worte, die sie auf dem 43 Fuß langen Segelschiff „Montevideo“ in die Karibik durch den Panama-Kanal Richtung Galapagos-Inseln, Neuseeland, Neukaledonien, Australien, Singapur, den Oman und durch das Rote Meer führte. Und unglaublich inspirativ war: Während ihr Mann nach wie vor als Skipper auf einer privaten Yacht arbeitet, steckt Anja ihre gesamte Energie in ihre Leidenschaft, die Kunst, besonders in den letzten Jahren. Dabei ist die begeisterte Seglerin mehr und mehr zur Landratte mutiert und hat ihre Kreativität zu ihrem Lebensinhalt gemacht.



Die große, nordisch blonde, jugendlich wirkende Frau hat die Elemente der Erde und ein Leben auf dem Land für sich entdeckt. „Ich versuche, in meiner Arbeit das Fließen der Natur so wie die Wellen im Ozean zu reflektieren“, sagt sie. Anjas Bildern sind die zarten Farben des Mediterranen inne. Ihre Kunst ist nicht figurativ und dennoch sind Spuren von Erkennbarem wie Wolken, Himmelsleitern, Flügel oder Meerestropfen zu entdecken. Ihre Werke sprechen eine poetische Sprache, die viel Leichtigkeit und Wärme wie eine Art Magie in sich tragen. Selbst dann, wenn sie Holz als eines ihrer Lieblingsmaterialien für Skulpturen verwendet, Olivenholz vorzugsweise, oder Kakteenblätter als Flügel für ihre Holzobjekte nutzt. Ihre Leinwände – manchmal sind auch diese aus Holz – malt sie auf ihrer Finca zwischen Alaró und Santa Maria mit Acryl oder Öl. Doch sie hat auch eine Schwäche für Aquarelle auf Papier – das entdeckte sie an Bord während der Weltumsegelung – oder Collagen aus verschiedensten Materialien. Das Blau des Meeres findet in allen Tönen und Nuancen Einsatz. Kontraste faszinieren sie, zwischen hell und dunkel und zwischen Leichtigkeit und Schwere. Ebenso zählen Pastelltöne und der Einsatz von Blattgold zu ihren Markenzeichen, dazwischen etwas Grau oder Schwarz als ein Wechselspiel der Farben und Kontraste.



AUSSTELLUNG: Ab dem 15. Juni sind Anjas Werke drei Monate bei The HUB Mallorca in der Carrer Caro, 70, in Santa Catalina zu sehen. Ansonsten stellt sie häufig im Art Studio 13b in der Carrer Fábrica aus, speziell zur Nit de l’Art. Mit Gleichgesinnten hat sie das Kunstevent „Alaró Beehive“ ins Leben gerufen: Ein Wochenende im Monat, in den sechs Monaten des Sommers, gehört den Künstlern, Designern und anderen Kreativen – fernab des Meeres, aber nicht minder mediterran und spannend.