Aufschwung der „Kreuzfahrtschiff-Phobie“

Die Unternehmerverbände der Balearen verteidigen diese Art des Tourismus mit dem Argument der wirtschaftlichen Vorteile, doch es bilden sich immer mehr Gegenbewegungen von Anwohnern und Umweltschützern
Julio Gonzalez

„Kreuzfahrtschifffahrt-Phobie“: Diesen Begriff werden wir in den kommenden Jahren bestimmt noch oft hören. Bei den Einheimischen von Palma herrscht die Meinung vor, dass die Kreuzfahrtschiffe größtenteils daran schuld sind, dass die Stadt mit Touristen überfüllt ist.



Im vergangenen Juni unterzeichneten eine Reihe von Umweltorganisationen, u.a. auch die Umweltschutzgruppe GOB, ein Manifest, in dem die Balearenregierung und speziell die Stadtverwaltung von Palma auffordert wurde, Maßnahmen zur Eindämmung der durch die Kreuzfahrt-schiffe verursachten Umweltbelastungen zu ergreifen  und machten dabei geltend, dass die Situation „nicht nachhaltig“ sei. Eine der Hauptforderungen ist die Begrenzung der Ankunft von Kreuzfahrtschiffen und Passagieren pro Tag, genauer gesagt, auf ein Schiff und 4.000 Personen pro Tag.



Ebenfalls im Juni wurde eine Studie des Unternehmens für Nachhaltigkeit „Transport & Environment“ veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Palma die Stadt in Europa ist, die am zweithäufigsten von der Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe betroffen ist. Laut Bericht dieses Unternehmens werden in Palmas Hafen jedes Jahr insgesamt 28 Tonnen Schwefeloxid durch Kreuzfahrtschiffe ausgestoßen.



Im Juli hingegen legte die Universität der Balearen (UIB) eine auf Ersuchen der Hafenbehörde der Balearen (APB) ausgeführte wissenschaftliche Studie vor, aus der hervorging, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der Aktivitäten im Hafen und der Luftverschmutzung festgestellt werden konnte.



Abgesehen von den Umweltproblemen weisen die Kritiker des Kreuzfahrttourismus darauf hin, dass diese Art von Tourismus keine wirtschaftlichen Vorteile für die lokale Wirtschaft brächte. Diese Kritik wurde von den Arbeitgeberverbänden Afedeco, Pimeco, CAEB und Pimem zurückgewiesen, ebenso wie eine Einschränkung in der Ankunft von Kreuzfahrtschiffen abgelehnt wurde. Im Gegenzug versichern die Verbände, dass diese Art des Tourismus als „sehr positiv“ sowohl für den Einzelhandel als auch für das ergänzende Angebot von Palma zu bewerten sei.



Eine Wirtschaftsstudie von 2015, die von Mallorcas Handelskammer gemeinsam mit der Universität der Balearen und der Hafenbehörde APB erstellt wurde, gab an, dass die Einnahmen durch die Kreuzfahrtschiffe 256 Millionen Euro ausmachen und die geschätzten Ausgaben der Kreuzfahrer an ihren Basishäfen – gemeint sind die Häfen auf den Balearen, an denen die Touristen ein- bzw. aussteigen – 155 Euro pro Tag und pro Kopf betragen, was eine höhere Ausgabe als die des Pauschaltouristen darstellt.



Unbestreitbar ist, dass die Anzahl der Kreuzfahrttouristen in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Im Jahr 2017 (dem letzten Jahr mit offiziellen Zahlen) haben insgesamt 2.130.517 Kreuzfahrtpassagiere die Balearen ange-steuert und zwar in erster Linie Palma. Diese Zahl ist bemerkenswert im Vergleich zu den 622.663 Kreuzfahrern, die im Jahr 2000 die Insel besuchten und ent-spricht einem Wachstum um 342 Prozent.



Nach Angaben des Tourismusministeriums wurde 2018 der Rekord der auf den Balearen ankommenden Touristen mit insgesamt 16. 596. 194 Besuchern gebrochen. Diejenigen, die per Kreuzschiff auf die Inseln kamen, machten 12,8 Prozent der Gesamtzahl aus, sind also wesent-lich  weniger als diejenigen, die per Flugzeug anreisten. Doch die Tatsache, dass im Hafen von Palma fast zeitgleich mehrere Kreuz-schiffe mit Tausenden von Men-schen festmachen, die meist an denselben Orten, und zwar in der Regel an der Kathedrale und der Altstadt, interessiert sind, begründet das Gefühl der Sättigung.



ELEKTRISCHER STROMANSCHLUSS



Die APB hat das Projekt für die Installation von Stromsteckdosen an den Handelsdocks des Hafens von Palma fertig gestellt. Sobald die Umbauarbeiten abgeschlossen sind, können Passagierfähren, die im Hafen ankommen, ihre Motoren abschalten und sich an das allgemeine Stromnetz anschließen, was bedeutet, dass die Fähren die Luft in der Stadt nicht mehr verschmutzen. Das betrifft allerdings nicht die großen Kreuzschiffe, sie müssen ihre Motoren während ihres gesamten Aufent-halts im Hafen laufen lassen, da „das derzeitige Stromnetz die Kapazität nicht hat“, wie ein Sprecher der Hafenbehörde erklärte.