„Wir befürchten Einschränkungen, ohne uns zu benachrichtigen“

Der internationale Kreuzfahrtverband International Cruise Association warnt davor, dass ein Teil der Kreuzfahrten für die Saison 2020 und 2021 bereits verkauft ist
J.L. MIRO / J. GONZÁLEZ

Die Cruise Lines International Association (CLIA) ist der Arbeitgeberverband, der die weltweit führenden Kreuzfahrtunternehmen vertritt. Sein Motto lautet „eine Branche, eine Stimme“. Die Stimme für Spanien ist die von Alfredo Serrano als CLIA-Landesdirektor, mit dem die Balearenregierung die angestrebte Beschränkung von Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Palma aushandeln müsste. Im Interview beteuert er, dass sich bis jetzt niemand von der Landesregierung mit ihm oder seinem Verband in Verbindung gesetzt hat.



Die Präsidentin der Balearenregierung, Francina Armengol, sagte bei ihrem erneuten Amtsantritt, dass eine der Maßnahmen dieser Legislaturperiode darin bestehen werde, die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe auf den Balearen zu begrenzen. Wie reagiert die CLIA auf diese Aussage?



Mit Sorge. Dass der Kreuzfahrttourismus zur Debatte steht, freut uns überhaupt nicht. Unsere Aktivitäten sorgen für lokalen Wohlstand und gehören zu den nachhaltigsten, wie viele Untersuchungen belegen. Wir sind offen für Gespräche mit Regierungsvertretern und freuen uns darauf, mit den Zuständigen zusammenzuarbeiten, um zu erfahren, wo sie Probleme sehen und wie wir diese lösen können.



Hat sich die Balearenregierung zu irgendeinem Zeitpunkt an die CLIA gewandt und Gesprächsbereitschaft gezeigt?



Nein. In der letzten Legislaturperiode hatten wir mehrere Kontakte zu Regierungsvertretern und zum Rathaus von Palma, nicht jedoch seit Amtseinführung der neuen autonomen Regierung.



Ist es angesichts des Planungssystems der Kreuzfahrtunternehmen realistisch, auf den Balearen kurz- oder mittelfristig eine Begrenzung der Kreuzfahrt-schiffe in Betracht zu ziehen?



Die Etappen werden zwei Jahre im Voraus geplant und die Reiserouten anschließend veröffent-licht. Ein Teil der Kreuzfahrten für die Saison 2020 und für 2021 ist bereits verkauft.



In den letzten Jahren hat sich die öffentliche Wahrnehmung des Kreuzfahrttourismus auf den Balearen verändert. Wie erklärt sich die CLIA diese Meinungsumschwung?



Auch wenn ich die Ereignisse auf den Balearen genau verfolge und häufig auf die Inseln reise, bin ich nicht die geeignetste Person, um diese Einschätzung vorzunehmen. Sicher findet sich ein besserer Analyst als mich. Was ich sagen kann, ist, dass die Gründe, auf Kreuzfahrten und ihre Schiffe zu setzen, nach wie vor Gewicht haben.



Und diese Gründe sind?



Der Kreuzfahrttourismus ist von der Saison unabhängig, seine Spitzen sind außerhalb der Hochsaison und konzentrieren sich auf die Monate Mai und Oktober, das heißt er bricht mit dem Sonnen- und Strandparadigma. Kreuzfahrer zeigen ein größeres Interesse an Kultur und Kulturerbe als andere, klassische Mallorca-Touristen. Wir sind der Meinung, dass die Überlastung, die zu bestimmten Zeiten in Palma und auch in anderen Städten auftritt, geringer ist, als viele Menschen meinen. Ich bin der Überzeugung, dass es sich nach wie vor um eine Art Tourismus handelt, die den Balearen sehr entgegenkommt.



Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere ist von 600.000 im Jahr 2001 auf über 2 Millionen im Jahr 2017 gestiegen. Ist diese Zahl im Vergleich zu denen anderer Reisezielen nicht außergewöhnlich hoch?



Der größte Kreuzfahrthafen der Welt ist Miami. Die Stadt hat eine halbe Million Einwohner und ist damit ungefähr so groß wie Palma. Hierzulande zählen wir zwischen 1,7 und 1,8 Millionen Kreuzfahrer pro Jahr, während es in Miami 5 Millionen sind. Jeder, der Miami besucht hat, wird fest-stellen, dass die Kreuzfahrtschiffe dort kein Problem darstellen, im Gegenteil.



Welchen Wert messen Sie der kürzlich veröffentlichten Studie von „Transport and Environment“ bei, die Palma auf Platz Zwei unter den europäischen Städten mit der höchsten Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe setzt?



Davon halte ich nicht viel. Für mich ist das lediglich ein Dokument mit undurchsichtiger Methode, das von wissenschaftlichen Seite nicht im geringsten kontrolliert wurde und dessen Schlussfolgerungen im Vergleich zu wesentlich seriöseren Untersuchungen nicht richtig sind.



Eine der häufigsten Beschwerden lautet, dass sich die Kreuzfahrtpassagiere alle auf einmal in der Altstadt von Palma konzentrieren. Gibt es keine Mög-lichkeit, etwas zu verändern, um diesem Gefühl der Überfüllung etwas entgegen zu setzen?



Rund 20 Prozent der Passagiere gehen gar nicht an Land und bleiben lieber an Bord. Seit kurzem werden auch Ausflüge nach Valldemossa und zu den Höhlen angeboten. Vielleicht sollten die Verwaltungen vor Ort oder die für den Tourismus Verantwortlichen dafür sorgen, andere  Ausflugsziele noch besser zu fördern. Auf jeden Fall gibt es keinerlei Beweise dafür, dass es nur die Kreuzfahrtpassagiere sind, die Palmas Innenstadt so voll erscheinen lassen.