Warum tauchen, wenn man nichts sieht?

Im Alter von 23 Jahren verlor Jeff infolge eines Unfalls sein Augenlicht, wollte aber seine Leidenschaft für das Tauchen nicht aufgeben
Rachel Adams / Menorca

Wir schreiben Ihnen vom Bluewater Scuba Diving Center auf Menorca, um Ihnen zu erzählen, wie es ist, mit einer blinden Person zu tauchen. Wenn man ihm auf der Straße begegnet, benutzt Jeff einen Stock, eine dunkle Brille und einen Blindenhund. Er hat eindeutig eine Behinderung. Unter Wasser ist der einzige bemerkenswerte Unterschied, dass wir normalerweise Hand in Hand tauchen. Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass sich an Jeffs Tauchermaske zwei kleine Computer befinden, die Tiefe, Eintauchzeit und ähnliches anzeigen. Wir kommunizieren durch Handzeichen, leichtes Antippen mit der Hand und Körpersprache, um uns mitzuteilen, dass es uns gut geht und uns nicht kalt ist. Wir haben eine Reihe von Zeichen ge-schaffen, um die Meeresfauna zu beschreiben, die wir entdecken, die je nach Individuum mehr oder weniger streng ist.



Jeff erzählt, dass er als Kind vol-ler Visionen davon geträumt habe, Marinetaucher zu werden, und ihn dieser Traum dazu veranlasst hat, eine Ausbildung als Tauchlehrer und Soldat zu machen. „Nach einem Unfall im Alter von 23 Jahren verlor ich das Augenlicht und fragte mich, ob ich vielleicht eine andere Sportart in Betracht ziehen sollte, wie zum Beispiel Golfspielen. Zum Glück habe ich beschlossen, weiter zu tauchen, und das habe ich bereits in allen Meeren der Welt getan“, erzählt er.



Obwohl es kaum nachvollziehbar ist, welche Vorteile es haben soll, im August in einen Neoprenanzug zu steigen und die Sauer-stoffflaschen von einem Ort zum anderen zu schleppen,  bekräftigt Jeff: „Tatsächlich ist das Tauchen für mich fast genauso wie für die meisten Taucher. Man schwebt in einem Zustand der Schwerelosigkeit, ich kann mich von einer Kante ins Nichts fallen lassen, und dabei so zu tun, als ob ich meinen Fallschirm öffne und, wenn ich den Meeresboden berühre, mit einem Salto im Sand landen. Zumindest scheint das meine Tauchgenossen zu unterhalten.“



Der leidenschaftliche Taucher erklärt, dass „ich meinen Körper einschränkungslos und dreidimensional bewegen kann und sogar eine Unterwasserkerze machen kann, um etwas unter einem Felsen zu untersuchen. Ich lese gerne Geschichten über Wracks und untersuche sie anschließend eigenhändig oder ich versuche zu entziffern, was das für Dinge sind, die Freunde mir in die Hand geben, wobei das Lachen unter Wasser übrigens sehr lustig klingt. Es gibt sogar einen Vorteil meines Sehverlusts: Der besteht darin, dass ich nicht mit ansehen muss, wie immer mehr Plastik und andere Abfälle unsere Meere ver-schmutzen“.



Mit Jeff zu tauchen ist leichter als mit vielen anderen. Einerseits, weil er jahrelange Erfahrung hat, die sich in seiner Geschicklichkeit unter Wasser und in der Genauigkeit seiner Vorbereitungen vor dem Tauchen zeigt, und andererseits, weil es für mich, in dem ich ihn an die Hand nehme, alles andere als umständlich ist!



Zurück im Tauchzentrum darfst du allerdings seine Ausrüstung nicht berühren oder Dinge verstellen. Mehr als einer hat sich schon einen Rüffel eingefangen, obwohl er doch nur helfen wollte. 



Es ist ein Privileg, mit Jeff zu tauchen. Er erinnert uns unermüdlich daran, wie wichtig eine gute Kommunikation unter Wasser ist, dass wir gemeinsam mit dem Partner verlässliche Sicherheitskontrollen durchführen, bevor wir ins Wasser gehen und dass du deine eigene Tauchausrüstung vorher gründlich gecheckt hast.


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