Rosafarbene Flamingos

Bei einem Besuch in den Salinas d’Es Trenc geht es um mehr als Salz
Bettina Neumann

Als ich Kind war, sind wir über viele Jahre ein bis zweimal im Jahr nach Colònia de Sant Jordi gefahren. Oft war meine leicht kurzsichtige Oma dabei (die zu eitel war, um eine Brille zu tragen). Als Kinder haben wir uns darüber amüsiert, wenn meine Oma bei der Anfahrt ausrief: „Ich seh‘ schon das Meer!“ Denn wir wussten genau, dass es doch nur die dem Meer vorgelagerten Salzseen waren, die in der Sonne glitzerten. Jetzt, nach ungefähr vier Jahrzehnten, schaffe ich es zum ersten Mal die Salinen zu besuchen und bin begeistert.



Bei der 45-minütigen Besuchstour geht es in erster Linie um die Salzproduktion, aber nicht nur. Gleich zu Anfang haben wir ein Glückserlebnis: Die 70 Vögel starke Flamingo-Kolonie, die ganzjährig hier lebt, erhebt sich in die Lüfte und dreht eine gemeinsame Runde. Unser Guide, Paqui, die die Führung professionell und humorvoll gleichzeitig auf Deutsch und auf Spanisch macht, erklärt, warum die Vögel diese schöne Farbe haben: Es ist ihre Speise, winzig kleine Krabben, die in den Salzseen leben und sich wie die Mikroorganismen durch Carotin-Bildung vor der Sonne schützen, wodurch sich nicht nur die Flamingos, sondern auch die Kristallisationsbecken so schön rosa färben. Wir erfahren, dass 170 Vogelarten die Salinen, einen 150 Hektar großen „Naturraum von größter ökologischer Bedeutung“, ansteuern, in einem Liter Salzlauge eine Billion Mikroorgansimen leben, wie sensibel das Ökosystem hier ist und ähnlich Spannendes. Wir lernen auch etwas zur Geschichte, dass hier bereits die Phönizier Salz für die Konservierung gewonnen haben und in den 1950er und -60er Jahren die kommerzielle Salzgewinnung ausgebaut wurde. Und wir hören, wie die Berge aus geerntetem Salz (die „Alpenspitzen“) für unterschiedlichste Anwendungen in der hauseigenen Fabrik weiterverarbeitet werden. Insgesamt werden pro Jahr rund 10.000 Tonnen Salz produziert, die fast komplett in Mallorca konsumiert werden. Davon sind 60 Prozent Industriesalz, in Form von Salztabletten, und 40 Prozent Speisesalz für die Gastronomie. Neben dem groben, gibt es das feine „Sal Marina virgen“. Und dann ist da noch die Salzblume: Das „Flor de Sal d‘Es Trenc“ ist das einzige ökologische Salz auf den Balearen und wird zwischen Juni und September geerntet. Es enthält 20 Mal mehr Magnesium und doppelt so viel Kalzium, Kalium und Jod wie gewöhnliches Salz (eine Qualität, die sogar von der deutschen Stiftung Warentest bestätigt wurde). Das „Flor de Sal d‘Es Trenc“ wird per Hand geerntet, teilweise mit aromatischen Kräutern aus ökologischem Anbau vermischt und ist so gefragt, dass es in 28 Länder exportiert wird. Probiert und erstanden werden kann es in dem angrenzenden Lädchen, wo auch ein Kaffee getrunken werden kann. Ich muss an meine Oma denken, auch sie wäre von allem begeistert gewesen.



Ctra. Campos a Colònia de Sant Jordi, km 8,7, Campos, Führungen ganzjährig montags bis samstags: 10/11.30/13/15.30/16.30/17.30 Uhr, sonntags: 10/11.30/13/15.30/17 Uhr, im Winter können die Zeiten variieren, bitte erfragen. Anmeldung nur bei Gruppen ab 10 Personen unter: 971 655 306, Infos unter: www.salinasdestrenc.com


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