Das Kind, das Schiffe aus Kork baute

“Ingenieur zu werden, war der Traum meiner Kindheit. Ich liebte es, Schiffe beim Segeln zu beobachten, wie ihr Rumpf das Wasser verdrängte, seitdem habe ich dafür gekämpft, diesen Wunsch zu verwirklichen. “ Javier Jáudenes, der 1974 in Bilbao geboren wurde, aber in Palma lebt, sieht seinen Kindheitstraum nun verwirklicht. Längst hat er seine Ausbildung an der Schule für Schiffsbau in Southampton absolviert, und es folgten wichtige Projekte, an denen er arbeitete (einschließlich einer Mega-Motoryacht). Doch erst seit zwei Monaten wird sein Name mit der „Aristokratie“ unter den Schiffsdesignern assoziiert und gemeinsam mit den Großen wie Germán Frers, Bruce Farr oder Rolf Vrölijk genannt. Das verdankt er seinem
José Luis Miró

Entwurf einer eleganten, modernen und sehr schnellen, 108 Meter langen Segelyacht, der ‘Win Win’, die bei der letzten Boats Design Awards Show für das beste Außen- und Innendesign ausgezeichnet wurde, was in der Welt des Schiffbaus mit dem „Golden Globe“ vergleichbar ist.



Jáudenes, der sein Büro ‘Suge Projects’ in Santa Catalina, dem Matrosenviertel von Palma, hat, wollte schon seit langem ein Luxus-Boot entwerfen, das auch Regatta-fähig ist. Die Gelegenheit bot sich im Gespräch mit dem Eigner eines Segelbootes, auf dem er bereits Regatten gesegelt ist. „Was ich ihm vorschlug, war genau das, was er suchte, und er bot mir an, mich an der Ausschreibung für den Entwurf und die Konstruktion seines neuen Schiffes zu beteiligen“. Javier ging an die Arbeit und nutzte für die Entwicklung dieses Projekts seine gesamte Erfahrung als Sportler erster Klasse (er führte die IMS ´La Casera´ an, die den Weltmeistertitel für die Platú 25-Klasse im Jahr 2006 holte, und ist derzeit Trainer der japanischen Mannschaft von Mama Aiuto der Metges 32, die der Mallorquiner Manu Weiller anführt). Dabei gibt er zu, das Boot nicht so entworfen zu haben, „wie ich es für mich getan hätte“.



„Solche Art von Projekten macht man a la carte“, erklärt er. Der Kunde wollte einen Außensalon mit 360-Grad-Rundblick und eine gute Kommunikation zum Heck. Er war auf der Suche nach einem super bequemen, schnell zu navigierenden Schiff und – das war besonders wichtig - einem, das nur wenig Besatzung braucht, höchstens drei bis vier Matrosen. Es war also ein Design nicht nur für das Deck, sondern auch für die Navigationssysteme gefragt, durch das alles mit ein paar Handgriffen einfach zu bedienen ist und dabei noch Regatten gewonnen werden sollten“. Mit einem Wort, er wollte das Unmögliche.



Die ‘Win Win’ ist durch die Veredelung des alten Segelkreuzer-Regatta-Konzeptes zu einem Schiff geworden, das für beide Aspekte die Bestnote erhält. „Wir haben alle technischen Fortschritte moderner Regattasegler in die Hydraulikanlage des Schiffes integriert. Jáudenes hebt ein Beispiel hervor: Das Großsegel wird von innen aus per einmaligem Knopfdruck „getrimmt“. Eine der technischen Raffinessen, die das Design von Surge Projects definitiv an die Weltspitze setzt, ist die einziehbare Schiffsschraube, die in Zusammenarbeit mit der Werft Baltic Yachts (Finnland), und einem spezialisierten niederländischen Unternehmen entwickelt wurde.



Der Einstieg in die Welt des Designs von großen Yachten ist nicht einfach. Die potenziellen Kunden von Javier Jáudenes bewegen sich in engen Kreisen, und Erfolge wie der der ‘Win Win’ bedeutet einen großen Impuls für seinen Namen. Es handelt sich um Menschen zwischen 50 und 60 Jahren, die großen wirtschaftlichen Erfolg erreicht haben und nun ihre Leidenschaft für das Segeln ausleben wollen. „Als aggressive Unternehmer“, erklärt Jáudenes, „sind sie sehr wettbewerbsorientiert und wollen ihre Qualitäten als Segler und ihre Schiffe zeigen“. Und, das ist der entscheidende Punkt, sie haben das Geld, um ihre Träume Realität werden zu lassen. Der Preis der ‘Win Win’, die Mallorca im nächsten Juni für den Super Yacht Cup besuchen wird, und die weltweit als das leichteste Segelboot ihrer Klasse gilt (mit 77.400 Kilo Verdrängung), ist nicht bekannt, geht aber zweifelsohne in die Millionen.



Für das Projekt der ‘Win Win’, deren Name dem umfassenden Konzept einer maximalen Eignung von Segel und Motor gerecht wird, hat Javier Jáudenes drei Jahre durchgearbeitet. Bevor die erste Schicht aus Kohlefaser angebracht werden konnte, waren zahlreiche Vorentwürfe in 3D erforderlich. Es war nicht leicht, das Boot so zu ge-stalten, wie es sich der Besitzer vorgestellt hatte, einerseits im nordisch-minimalistischen Stil, und gleichzeitig mit dem Komfort eines schwimmenden Palast, so wie bei der Dekoration und Inneneinrichtung, an der das britische Studio Design Unlimited mitgearbeitet hat. Auch andere Aspekte waren zu berücksichtigen, wie der erforderliche Schallschutz in den sechs Kabinen (zwei für die Mannschaft, drei für Gäste und die Suite des Eigners, die vom Mast bis zum Bug verläuft), so dass nichts weiter als höchstens das leise Rauschen des Meeres zu hören ist.



Der Fingerabdruck von Javier Jáudenes ist jedenfalls nicht zu leugnen und konnte erst durch die Seetüchtigkeit des Schiffes beurteilt werden, als dieses zu seiner ersten großen Regatta unter der ORC-Formel in Saint Barth startete und sich mit Abstand als das schnellste seiner Klasse erwies. Jáudenes bekennt: „Ich kann mir nicht vorstellen, ein noch so schönes Boot zu gestalten, wenn es nicht funktional ist ... Für mich ist es selbstverständlich, die Effizienz von Rennbooten in Freizeitschiffe zu integrieren." So selbstverständlich, wie das Segeln und Regatta-Fahren bereits in seiner DNA liegen: sein Großvater Eugénio Jáudenez Agacino war (gemeinsam mit Manuel Baiget und Angel Riveras de la Portilla) Teil der ersten Balearen-Mannschaft bei den Olympischen Spielen. Das war im Jahr 1968 in Mexiko, noch bevor Javier geboren wurde, der schon als kleines Kind damit begann, kleine einfache Segelboote aus Kork zu fertigen. Was wie ein Omen war.


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