Das U-Boot

Die B1 wurde 1949 versenkt. Bis heute ruht sie vor der Bucht von Alcúdia
Juan Poyatos

Versenkt durch Kanonenschüsse in der Bucht von Alcudia, ruht die B1 heute, um etwa 15 Grad geneigt, auf ihrer Backbordseite. Der Grund um sie herum ist aus Sand und kaum mit Algen bewachsen. Die großen Einschusslöcher, des Zerstörerbeschusses, der die B1 1949 endgültig außer Gefecht setzte, sind deutlich zu erkennen.



Dem alten U-Boot, geboren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, fehlen die Klappen des Turms und der Torpedorohre, deren Öffnungen aber perfekt zu sehen sind, zwei am Bug und zwei am Heck. Seitlich am Heck, das verglichen mit einem normalen Boot erstaunlich schmal und spitz ist, kann man die Ausgänge der Propeller erkennen, die nicht mehr vorhanden sind. Der Bug hat eine Erhöhung, die charakteristisch ist  für U-Boote aus dieser Zeit. Das gesamte Wrack ist mit dem für Eisen typischen grünen Bewuchs bedeckt.



Der Tauchspot befindet sich relativ weitab der Küste, wo man kaum Schutz findet. Nur bei allgemein gutem Wetter ist die B1, die erst vor wenigen Jahren, scheinbar 1999 von einem Hobbytaucher, entdeckt wurde, erreichbar, da auch das Ankern seine Tücken hat. Mit dem eigenen Boot aufzubrechen, ist nicht zu empfehlen, da man das Wrack ohne die nötige Erfahrung oder ein geeignetes Echolot unter Umständen gar nicht findet. Am besten schließt man sich einer der Tauchbasen im Norden der Insel an, die den Tauchspot regelmäßig anbieten. Die beste Zeit ist im Sommer zur Tagesmitte, bei optimalen Lichtverhältnissen.



Der Tauchgang führt vertikal 50 Meter tief zum Grund, was extreme Vorsicht bezüglich der Tiefe voraussetzt. Zum Besichtigen des U-Bootes bleiben nur einige Minuten und das Auftauchen dauert sehr lange, aber das ist es wert, besonders wenn man die Geschichte der B1 kennt und ihr Vermächtnis respektiert.



Die B1 war ein besonderes Kriegsschiff. Sie nahm am Felsen von Vélez an Kampfhandlungen teil und rettete vielen Menschen das Leben. Während des Bürgerkriegs hielt sie sich „im Abseits“, ohne wirklich ins Kriegsgeschehen einzugreifen. Es wird immer ein Geheimnis bleiben, welche Schicksalswirrungen sich im Inneren der B1 zutrugen. Soweit man weiß, schoss sie aber in den zwei Kriegen, an denen sie teilnahm, kein einziges Mal.



Der Felsen von Vélez de la Gomera, spanisches Territorium im Norden Afrikas, wurde von marokkanischen Truppen belagert. Eine große Anzahl Zivilisten war dort eingeschlossen und in Lebensgefahr, sollte der Felsen eingenommen werden. Die spanische Armada startete mit der neuen Unterwasserflotte eine Rettungsoperation. Die U-Boote Peral, der Klasse 0, und die B1, vor Kurzem in Betrieb genommen, nahmen Kurs auf Melilla. Nachts tauchten sie ab, um sich dem belagerten Felsen zu nähern. Das Kriegsschiff España, das die geretteten Zivilisten aufs spanische Festland bringen sollte, begleitete sie. Die beiden U-Boote näherten sich der kleinen Bucht des Ortes. Nahe der kleinen Mole begann um 22.30 Uhr die Evakuierung, wobei ein Beiboot der España die Zivilisten zu den U-Booten brachte.



Im Schutz der Nacht, wurden die Flüchtenden an Bord genommen, ohne dass die feindlichen Truppen eingriffen. Als aber um 1.00 Uhr morgens das Mondlicht die Sicht freigab, begannen die Belagerer Zivilisten und U-Boote mit Gewehren zu beschießen. Der Turm der B1 wurde mehrfach getroffen, aber niemand wurde getötet. Um 3.00 Uhr morgens waren schon 80 Personen in den U-Booten in Sicherheit. Nachdem die Geretteten in das Kriegsschiff España umgestiegen waren, warteten die drei Schiffe auf dem Meer eine zweite Operation für den nächsten Tag ab.



In dieser zweiten Operation, in der nur die B1 zum Einsatz kam, wurden weitere 37 Personen gerettet. Die gesamte Rettungsaktion war ein voller Erfolg und die Mannschaften wurden dafür mit der damals höchsten Auszeichnung, der Medaille der Marine, geehrt.



Ähnlich „lautlose“ Operationen wiederholten sich, als die B1 und andere U-Boote Trinkwasser zu verschiedenen besetzten Gebieten im Norden Afrikas brachten. Bei vielen Gelegenheiten wurde die B1 von der Küste aus beschossen, glücklicherweise hatte sie aber niemals Tote zu beklagen.



Der Bürgerkrieg überraschte die Unterwasserstreitmacht in republiktreuen Häfen. So fiel die gesamte U-Boot-Flotte, bestehend aus sechs U-Booten der Klasse B und sechs der Klasse C, in die Hände der Republikaner. Allerdings herrschte während des gesamten Krieges eine gewisse Anarchie in der Unterwasserflotte. Zwar hielten die Mannschaften treu zur Republik, jedoch minderte die damals verbreitete Tendenz zur Anarchie in einigen U-Booten deutlich die Einsatzfähigkeit.



Befehlshaber und Mannschaften der U-Boote weigerten sich scheinbar, feindliche Boote zu versenken, da sie überzeugt waren, darin Zivilisten zu treffen. Die Geschehnisse ließen sie in gewisser Weise vorüberziehen. Man glaubt sogar, sie hätten ihre eigenen Boote sabotiert, um keine Schiffe mit Zivilisten versenken zu müssen.



Zur Zeit des Militäraufstandes war Mahon die Basis der B1, wo sie auf dem Trockenliegeplatz lag. Aus politischen oder Gewissensgründen oder aus Angst vor Vergeltung kam die B1 im Krieg kaum zum Einsatz.



Zuerst lag sie ein halbes Jahr auf dem Trockenliegeplatz in Mahon. Als sie repariert war, wurde sie nach Barcelona verlegt, wo sie kurz darauf wegen eines kleinen Lecks wieder auf den Trockenliegeplatz verfrachtet wurde. Endlich einsatzfähig und mit „politischem Kommissar“ an Bord patrouillierte die B1 danach zwischen Barcelona, Cartagena und Menorca, auch in der kantabrischen See und in der Straße von Gibraltar.



Dreimal kam die B1 in dieser Zeit wieder auf den Trockenliegeplatz. Ohne Kampfeinsatz und ohne während des Krieges ein einziges Schiff versenkt zu haben, erlitt sie letztendlich einen Unfall in der Nähe von Cartagena.



Ein britischer Frachter rammte sie und zerstörte ihre Bugerhöhung. Halb gekentert verblieb sie bis zum Ende des Krieges im Hafen von Cartagena.



Niemals mehr kam sie zum Einsatz. 1949 wurde sie endgültig vor der Bucht von Alcudia versenkt. Sie diente als schwimmende Zielscheibe für mehrere Zerstörer.      


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