Mallorca: AUSVERKAUFT

Auf der gesamten Insel gibt es kaum noch einen Liegeplatz zu verkaufen noch zu mieten
Juan Poyatos

„Es war schon immer schwer, einen Liegeplatz auf Mallorca zu bekommen, außer während der Krise“, erklärt Idoia Herrán als Geschäftsführerin der AML, einem der führenden  An- und Verkaufsunternehmen von Liegeplätzen auf der Insel. „Zwischen 2013 und 2015 sind die Preise gesunken, da einige Nutzer, vor allem Spanier, ihre Liegeplätze aufgegeben haben. In diesen drei Jahren sind die Preise um gut 20 % zurückgegangen. Doch jetzt, 2016, haben sich die Preise nicht nur wieder komplett erholt, sondern die Liegeplätze sind so gut wie erschöpft und niemand verkauft mehr. Daher ist es fast unmöglich, einen Liegeplatz zu bekommen, speziell zwischen 12–25 Metern. Die Gründe für diese „Explosion“ sind mehrere. Einige Mallorquiner verkauften zu Beginn der Krise, nicht immer aus Notwendigkeit, sondern oft aus Angst vor der Zukunft, die man uns sehr schwarz gemalt hat. Die Eigentümer haben zuerst ihre Boote verkauft und mussten weiterhin für die Liegeplätze zahlen, woraufhin viele sich dazu entschlossen, diese ebenfalls loszuwerden. Die jährlichen Kosten für einen Liegeplatz von 15 Metern als Mitglied in einem Club Náutico belaufen sich zwischen 3.800 und 5.000 Euro, weshalb sich viele zum Verkauf entschlossen. Diese Liegeplätze wurden kurz danach von Ausländern erworben“, so Idoia Herrán.



„Die soziopolitische Lage in der Türkei, in Ägypten, Tunesien und seit dem Attentat in Nizza auch an der Côte d’Azur, also bei allen unseren natürlichen Konkurrenten, hat 2016 ein Plus an Menschen begünstigt, die an einem sicheren und ruhigen Ort leben möchten. Die mallorquinischen Immobilienverkäufer haben angegeben, in diesem Sommer mehr als in den vergangenen fünf Jahren zusammen verkauft zu haben. Häuser, vor allem solche mit Meerblick, sind im Vergleich zu 2015 um bis zu 300 % im Preis gestiegen. Alles wird aufgekauft, sogar hässliche oder schlecht situierte Häuser und jede Art von Baugrundstücken an der Küste. Die Ausländer kaufen sogar in den entlegensten Ecken der Insel, wo sich Immobilienverkäufer keine Hoffnungen machten, ihre Objekte vor 2020 loszuwerden. Selbst diese werden nun zu astronomischen Summen erworben. Die Situation „an Land“ ist überwältigend, innerhalb weniger Monate wurde alles verkauft. Hunderte dieser neuen Eigentümer, die in diesem Sommer ankamen, wollen nun auch ihren eigenen Liegeplatz. Folglich ist die Situation zu Wasser noch schlimmer als zu Land, die Preise spielen keine Rolle mehr, da es nichts mehr zu verkaufen gibt und viele Interessenten um einen Liegeplatz „kämpfen“, erklärt Idoia.



Die von den Käufern eines Liegeplatzes am häufigsten nachgefragten Clubs sind der Real Club Náutico Palma, der Club de Mar, der CN Santa Ponsa und Puerto Portals, und für die größeren Schiffe Port Adriano und die Moll Vell in Palma. Zwar gibt es noch den einen oder anderen Liegeplatz für Schiffe über 25 Meter Länge, aber nur zu astronomischen Preisen. Weder zu verkaufen noch zu mieten sind zurzeit Liegeplätze für Schiffe bis zu 25 Meter, versichert die Fachfrau der AML.



Ebenfalls steht fest, dass einige Konzessionen wie im Club de Mar (2019) und RCNP (2022) in nicht allzu ferner Zeit abzulaufen, weshalb die Eigentümer der Liegeplätze es vorziehen, nicht jetzt zu verkaufen, sondern die mehr als absehbaren Verlängerungen abwarten. Logischerweise ist es nicht das gleiche, einen Liegeplatz in einem Club mit noch zwei Jahren Konzession zu verkaufen, als zum Beispiel in einem Club mit 27 Jahren Laufzeit, so Idoia.



Die momentane Situation auf dem Markt der Liegeplätze sei komplex und verlange vor allem eine genaue Analyse, eine Mitgliedschaft in einem renommierten Club sowie das Knüpfen von Freundschaften und eine gute Beratung. Es ist nicht angemessen, auf „Schnäppchen“ zu vertrauen, sich zu hetzen oder überteuerte Preise zu bezahlen. Es sei besser, versichert Idoia Herrán, falls notwendig, den Hafen zu wechseln und in Ruhe den idealen Liegeplatz mit genug Laufzeit zu suchen, das sei das Wichtigste.



Diese Argumentation kann auch anders verstanden werden: Wer es tatsächlich schafft, einen Liegeplatz zu kaufen, gerade weil nur noch wenig Laufzeit bleibt, diese aber verlängert werden wird, hätte einen guten Kauf getätigt, jedoch will niemand verkaufen.



Mieten ist eine gute Option für kurze oder mittelfristige Zeitabschnitte, wenn aber Mallorca der neue Heimathafen sein soll, empfiehlt es sich der Kauf. Nichts gibt einem Eigner mehr Sicherheit, als einen Liegeplatz in einem Club mit langer Laufzeit in seinem Besitz zu haben. Doch dafür muss man suchen und wahrhaftig kämpfen, denn zurzeit ist es nicht einfach, etwas zu finden. Kurz gesagt, gibt es auf Mallorca im Moment weder Liegeplätze zu vermieten noch zu verkaufen: Es ist schlichtweg alles belegt.


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