Herbstgeheimnisse

Meine kleine Bootstour

Auch wer keinen Führerschein hat, kann sich als Bootsfahrer versuchen, zum Beispiel in Colònia de Sant Jordi
BETTINA NEUMANN

Warum nicht mal ein Bötchen mieten? Gesagt, getan und dafür braucht man nicht mal einen Bootsführerschein. Wir begeben uns in den äußersten Süden, nach Colònia de Sant Jordi. Hier erwarten feste, unsinkbare Schlauchboote und kleine Festrumpfboote, die jedermannfahren kann. Bereits 1968 hat Guillermo Riera Amengual den Boots-Service Excursion Boat im Hafen von Colònia de Sant Jordi eingerichtet und war somit der erste, der hier Boote vermietete.



Auch ich war bereits1969 im zarten Alter von zwei Jahren das erste Mal in Colònia de Sant Jordi und dannnoch zahlreiche Male. Ich frage meine Mutter, ob wir damals schon eine Bootstour gemacht haben. Ja, sie meint sich zu erinnern, ich hingegen war wohl noch zu klein.



Am Strand und am Hafen



Heute herrschen Amenguals Söhne über ca. 20 kleineAusflugsboote:Guillerm im Hafen, bzw. an der Playa del Puerto, und sein Bruder Sion seit 15 Jahren hinter dem Hotel Marques am Strand von Ets Estanys (am südlichen Ende des Es Trenc). Das kleine Familienunternehmenist stolz auf einen weiteren Rekord: Excuscion Boatist der günstigste Bootsvermieter inselweit. Eine Stunde kostet lediglich 40 Euroeinschließlich Sprit, zwei Stunden 60, drei Stunden 85 und vier Stunden 110 Euro. In die vier Meter langen, 15-PS-starken Schlauchboote passen bis zu vier Personen. Wer sich nicht alleine traut, zu steuern, kann für einen geringen Aufpreis den Steuermann dazu mieten. AlleBoote sind mit Sonnenschutz, Anker, Schwimmwesten und mit Badetreppchen ausgerüstet. Für jeden Geschmack gibt es das passende Boot: die einen Führerschein verlangensind zwischen 50 und 175 PS stark, mit Kühlbox ausgestattet und haben Platzfür sechs bis zehn Personen. Ein ganzer Tag kostet zwischen 260 und 390 Euro, das Benzin zählt hier extra. Und die sechs Meter lange Pholas 21 hat sogar eine Genehmigung für einen Törn nach Cabrera.



Einsame Buchten entdecken



So ein Boot ist die perfekte Art für einen Bade-, Schnorchel- oder Tauchausflug! Wer vom Hafen aus startet, nimmt am besten die südliche Route mit Kurs auf den Leuchtturm am Cap Salines zu den ansonsten nur schwer zugänglichen und traumhaft schönen Naturbuchten von Es Carbo oder Es Caragol. Wer, wie ich, am Hotel Marques einsteigt, nimmt Kurs auf Ses Corvetes und Sa Rápita und braust den Es Trenc entlang. Ich habe mir vorsichtshalber meinen Skipper mitgebracht, erfahre aber gleich, wie einfach es ist, selbst zu steuern. Sion macht eine Kurzeinführung, eine Art Minikurs übers Bootfahren. Dabei weist erdarauf hin, dass der Strand nur über die durch die grün-roten Bojen gekennzeichnete Kanäle angefahren werden kann. Wie beim Autofahren wird per Zündschlüssel gestartet. Zur Sicherheit, d.h. falls mal einer über Bord geht, ist der Zündschlüssel mit einem roten, langen Band am Handgelenk verbunden. Alles andere ist tatsächlich (einfach) wie beim Autofahren: Man startet im Leerlauf, es gibt nur einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang am Lenkrad und gibtGas. Das ist alles – und macht solchen großen Spaß! Der Fahrtwind braust einem um die Nase, bei Rückenwind fühlt man sich wie im Speedboot, bei Gegenwind holpert man über die Wellen. Vorbei geht es an absoluter Schönheit: dieses karibikblaue Wasser, der weiße Strand, getaucht - wie jetzt am Spätnachmittag - in dieses wunderbare mediterrane Licht. Wir passieren schnittige Yachten, schneiden ein paar Kurven (lustig!) und nehmen Kurs auf ein kleines Inselchen. „Viele Mallorquiner mieten ein Boot, um sich aus den Felsen ihr Steinsalz, dassal de cocozu holen“, erzählt uns später Sion, als wir wieder bei ihm angelegt haben. Dabei haben wir ihn fast um seinen pünktlichen Feierabend gebracht, weil wir uns dann doch in der Entfernung des Rückweges verschätzt haben.



Für jung und alt



Beliebt ist die kleine Bootstour übrigens besonders bei Verliebten, ebenso bei Anglern, für Junggesellenabschiede und Familienausflüge. Perfekt auch für Menschen, die damit liebäugeln, ob sie sich ein Boot kaufen sollen oder nicht. Sionhat auf diese Weise seine deutsche Frau kennengelernt: Sie hat ein Boot bei ihm gemietet. Sohn Elias ist mit fünf Jahren schon ein echter Skipper und kann seit er drei Jahre alt ist das Boot steuern. Doch auch er trägt eine Schwimmweste, denn sein Vater lässt keinen Zweifel: „An alle Kinder: die Weste ist Pflicht, sonst geht hier gar nichts!“ Ansonsten ist das Bootfahren aber eine total sichere Sache. Bei starkem Wellengang wird nicht herausgefahren, aber das war in diesem Jahr noch nicht ein einziges Mal der Fall. So einfach ist das: wer vorbeikommt, kann einsteigen und losfahren, nur am Wochenende sollte besser reserviert werden. Was für eine geniale Entdeckung!



 



www.excursionboat.es



Information und Reservierung:



Playa del Puerto: + 34 659 980 659 (Guillermo)



Hinter dem Hotel Marques: +34 625 925 015 (Sion)



Täglich von 10.00–19.00 Uhr. Die Saison geht am Strand bis ca. 15 Oktober, am Hafen bis Ende Oktober.



 


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